Über mich

Corinne Stawinoga: Jägerin des Lichts

Corinne Stawinoga: Jägerin des Lichts

So ganz genau kann ich mich eigentlich gar nicht mehr erinnern, wann ich mit dem Fotografieren angefangen hatte. Ich glaube, es war mit acht oder neun Jahren. Ich hatte damals eine rosa Beirette SL100N geschenkt bekommen und war unheimlich stolz darauf.

Meine erste Kamera mit acht oder neun Jahren

Tiefenschärfe und hyperfokale Distanz waren damals absolut unbekannt. Für die technische Umsetzung hatte ich mich noch nicht so sehr interessiert. Das Erlebnis hinterher ein Foto in der Hand zu haben, das ich selbst fotografiert hatte, war schon sensationell genug.

Als ich mit 11 Jahren meine damalige Heimat verlassen und ein neues Leben anfangen musste, sind andere Dinge in den Vordergrund gerückt.

Einige Jahre später durfte ich in der Schule an einer Foto-AG teilnehmen, wo wir unter anderem die selbst gemachten Fotos auch selbst in der Dunkelkammer entwickeln durften. Ich hatte einen riesigen Spaß. Ich nervte meine Eltern mit dem Thema Fotografieren, aber wir konnten uns damals nicht viel leisten und meine Eltern sahen keinen tieferen Sinn im Fotografieren. Und so trat Fotografieren  nach und nach wieder in den Hintergrund getreten.

Viele, viele Jahre später hat mir die Kompaktkamera einfach nicht mehr ausgereicht. Ich beschloss, mir endlich die lang ersehnte Spiegelreflexkamera zu kaufen. Dank moderner Technik wie dem Internet mit den zahlreichen Tutorials, Zeitschriften, Workshops und natürlich durch Learning by Doing habe ich mir die meisten Kenntnisse selbst beigebracht.

Am meisten begeistern mich Flora und Fauna, in groß und klein. Gern probiere ich auch andere Genres aus wie Architektur, Porträtfotografie oder Light Painting.

„Ein Foto ist nur gut, wenn man es länger als eine Sekunde anschaut.“ (Henri Cartier-Bresson)

Irgendwie hat er schon Recht mit dieser Aussage. Aber was ist es genau? Was macht ein gutes Foto aus, mal abgesehen von der Umsetzung. Ich fand die passende Antwort, die mir eigentlich schon seit Jahren bekannt ist, in einem Vortrag.

Vor einiger Zeit war ich bei einem faszinierenden Vortrag über Naturfotografie. Der Titel „Jäger des Lichts“ ist bezeichnend und trifft den Nagel auf den Kopf. Mit viel Liebe und mit Hilfe des Lichts halten wir die Zeit in einmaligen Farbtönen fest. Wir inspirieren und wecken Emotionen.

Als begeisterte Alpinistin haben Impressionen aus der Bergwelt leichtes Spiel mit mir. Als ob es nicht schon anstrengend genug sei, stundenlang auf über 2500 Meter zu steigen oder bei fast 90 Prozent Luftfeuchtigkeit den Krakatau auf Java zu erklimmen, schleppe ich manchmal um die acht Kilogramm Fotoequipment den Berg  hinauf. Ich  schimpfe innerlich wie ein Rohrspatz, frage mich, warum ich das eigentlich mache. Und wenn ich dann da oben stehe und alles überblicken kann, breitet sich diese unfassbare Zufriedenheit und innere Ruhe aus. Voller Demut und Ehrfurcht stehe ich da und bestaune die Aussicht, genieße die Stille und den Wind, der mir um die Nase weht.

Ich saß also in diesem Vortrag und war eigentlich auch so schon völlig hin und weg. Doch dann wurde eine Reihe von Fotos aus dem bezaubernden Patagonien gezeigt. Um genau zu sein waren es Fotos vom Fitz Roy und den Cerro Torre im Nationalpark Los Glaciers.

„Das eine Auge des Fotografen schaut weit geöffnet durch den Sucher, das andere, das geschlossene, blickt in die eigene Seele.“ (Henri Cartier-Bresson)

Für den Bruchteil einer Sekunde stand mein Herz still. Und schon in der nächsten durchströmte mich eine Hitzewelle und erreichte blitzartig jede einzelne Faser in mir. Mein Herz schmerzte förmlich vor lauter Fernweh und Sehnsucht, Tränen stiegen mir in die Augen. Ich hatte nur noch einen Gedanken im Kopf: ich muss da wieder hin.

Genau solche Ereignisse machen für mich ein gutes Foto aus: Emotionen geweckt. Alles richtig gemacht!

Emotionen wecken

Mein Ziel ist es, Menschen mit meinen Fotos von der Schönheit des Lebens zu begeistern. Wir leben in einer stressigen Zeit, die sich ständig und rasant schnell verändert. Immer höher, schneller, weiter ist oft die Devise. Wir warten auf das große Wunder. Dabei sind es doch die kleinen, vermeintlich unscheinbaren Dinge, die unser Leben ausmachen. Zu selten nehmen wir uns die Zeit, sie wahrzunehmen. Zu selten sind wir dankbar für diese wunderbare Welt, in der wir leben dürfen.

Fotos sind Momentaufnahmen, Einblicke in die Vergänglichkeit und die zerbrechliche Schönheit des Lebens. Es ist wie innehalten. Innehalten in einem Moment, der in dieser Form mit seinen Gerüchen, Tönen und Farben vermutlich nicht wiederkehren wird.

Neulich telefonierte ich mit einem Freund, dem ich meinen Jahreskalender mit diversen Impressionen aus der Bergwelt geschenkt hatte. Er erzählte mir, dass er einen Monat weiterblättern wollte und seine Freundin ihn bat, doch noch etwas das niedliche Murmeltier hängen zu lassen. Ein wunderbares Lob!